Toxische Beziehung vs. Beziehungskrise: 10 kleine, aber feine Unterschiede

toxische beziehung vs. beziehungskrise

10 kleine, aber feine unterschiede

toxische beziehung beziehungskrise

Toxische Beziehung oder doch "nur" eine Beziehungskrise?

Ist es die Mühe wert? 
Kommen wir heil am Ziel an? 
​Ist es nur ein kurzer Wegabschnitt oder etwas, woran wir uns das Genick brechen? 

Diese Fragen fraßen mich vor Sorge auf, als wir den schmalen, ungeteerten Bergpass (mit einem geliehenen Mini-Fiat-Punto!) holprig überquerten.

Wir waren von Marokkos Infrastruktur Besseres gewöhnt, aber diese Bergstraße hatte es in sich! Uns war ganz schön mulmig zu Mute, aber umkehren wollten wir auch nicht. Schließlich sind wir schon ein ganzes Stück gefahren... 

Weißt du woran mich dieses Erlebnis erinnert?
​An (m)eine Beziehungskrise. 

Ist es die Mühe wert? Können wir wieder glücklich sein? Ist es nur eine Beziehungskrisen-Phase oder sind wir zum Scheitern verurteilt? Sollten wir hier aufhören, trotz dessen, wie viel Zeit und Mühe wir bereits in die Beziehung investiert haben?

Sind das gerade Fragen, die dich beschäftigen?
Mich zumindest haben sie lange "auseinandergenommen". 

Auf meiner Suche nach Antworten stieß ich zum ersten Mal auf den Begriff „toxische Beziehung“.

toxische Beziehung Beziehungskrise

Je mehr ich darüber las, desto mehr Sorgen machte ich mir.

Warum?

Weil viele der Merkmale einer toxischen Beziehung zu meiner „Beziehungskrise“ wie der Glasschuh auf Cinderella passten:

  • Große Angst, meinen Partner zu verlieren.
  • Es drehte sich vieles nur noch um das Fortbestehen der Beziehung.
  • Eine Achterbahn der Gefühle mit ständiger Unsicherheit, ob und wann wir aus dem Wagon geschleudert werden.
  • Der Streit um nichts und alles, genährt von meinem Frust über die fehlende Verbindung zu meinem Lieblingsmenschen.
  • Die Mentalität, dass er mein bester Freund ist und immer mein Wohl vor Augen hatte, verließ mich immer mehr.
  • Toxische Kommunikationsmuster von Vorwürfen und Selbstmitleid, über strafendes Schweigen bis hin zum Abschalten.

Und ich fragte mich (zurecht!):  

Bin ich „nur“ in einer Beziehungskrise oder in einer toxischen Beziehung und muss hier dringend raus?

Wenn es auch dir so geht, lies bitte weiter!

10 Unterschiede zwischen toxischen BeziehungEN & BeziehungskrisEN

Kurz für alle, die dem Begriff "toxische Beziehung" zum ersten Mal begegnen:
Toxische (oder auch ungesunde oder dysfunktionale) Beziehungen sind Partnerschaften, die dir über lange Zeit mehr wehtun als guttun. Sie rauben deine Lebensenergie und machen dich sehr unglücklich. 

Das Problem: Eine Beziehungskrise fühlt sich häufig genau so elend an wie eine toxische Beziehung. Daher ist deine Frage, worin sie sich letztendlich von einer ungesunden Beziehung unterscheidet, total berechtigt!

Nach einigen Recherchen habe ich festgestellt, dass es leider keine klare Schwarz-Weiß-Trennung zwischen den Beiden gibt. Und wenn wir ehrlich sind, kommen einige der unten aufgeführten Eigenschaften selbst in den glücklichsten Beziehungen vor! 

Allerdings gibt es Signale, an denen du dich orientieren kannst. Und diese möchte ich dir mitgeben.

1) FREUNDSCHAFT & FÜRSORGE

Es gibt da einen genialen Beziehungs-Forscher, der sich bereits 40 Jahre damit beschäftigt, das Fortbestehen einer Ehe vorherzusagen: John Gottman heißt dieser legendäre Mann.

Eine seiner Haupterkenntnisse ist: 
Glückliche Beziehungen verbindet vor allem eins. Eine tiefe Freundschaft!

Ja, du hast richtig gelesen. Nicht Liebe, Attraktivität oder guter Sex. Sondern FREUNDSCHAFT.

Der entscheidende Faktor, inwieweit [Paare] in ihrer Ehe zufrieden sind, ist für 70 Prozent die Qualität der Freundschaft in ihrer Beziehung. (John Gottman)





Ein toller Weg, die Freundschaft zwischen euch zu stärken: Deinen Partner besser kennenlernen. Mehr erfährst du in diesem Beitrag: 

Toxische Beziehung: Dein Partner wird zum „Feind“, der dir die Liebe wegnehmen möchte. Es geht nur noch darum, deine eigenen Bedürfnisse befriedigt zu wissen. Du bist ihm gegenüber so feindselig gestimmt, dass allein der Versuch, ihn zu verstehen, dir sehr schwer fällt. 

 We are so desperate to be loved that we forget to be loving.



Beziehungskrise: Auch hier hast du häufig das Gefühl, der Liebe deines Partners beraubt zu werden. Es verletzt dich sehr. Das hindert dich allerdings nicht dabei, das Wohl deines besten Freundes im Auge zu behaltenDeine Fürsorge und Liebe bleibt von euren Differenzen unberührt. 

2) Selbstachtung

toxische Beziehung keine Selbstachtung

Beziehungskrise: Auch wenn es schwierig zwischen euch ist, weißt du, wo deine Grenzen liegen und verstehst genau, wie du von deinem Partner behandelt werden möchtest. Bei all der Liebe für ihn, verlierst du deine Selbstachtung nicht aus dem Blick. 

Toxische Beziehung: Du (vielleicht aber auch dein Partner) erachtest dich als unvollkommen und suchst nach einer Person, die dich „komplett“ macht. Dir fehlt an Selbstliebe und Selbstachtung, sodass du nicht in der Lage bist, klare Grenzen zu setzen. Dein Partner spürt es und und verliert unbewusst ebenfalls, nach und nach, den Respekt vor dir. 

3) Toxische Kommunikationsmuster

Toxische Kommunikation toxische beziehung

Du sehnst dich nach Liebe und Nähe und bist darüber frustriert, dass dein Partner sie dir nicht geben möchte? 

Dein Ausweg: 
​Du schlüpfst in die Opferrolle und beschuldigst deinen Partner. Er fühlt sich angegriffen und schreit zurück. Bis der Konflikt soweit ausartet, dass dein Partner wütend aus der Tür stürmt. 

Wenn er sich beruhigt hat und zurückkommt, strafst du ihn mit Schweigen. Jetzt versteht er die Welt nicht mehr, distanziert sich und schaltet komplett ab.

er distanziert sich

Toxische Beziehung: Andere Wege der Konfliktlösung kennt ihr praktisch nicht.  

Fairerweise müsste ergänzt werden, dass diese Art von Kommunikation selbst in gesunden Partnerschaften manchmal vorkommt. Erst recht, wenn diese in Beziehungskrisen stecken.

Was auch vollkommen normal ist. Da gerade zu Beginn Paare etwas Zeit mit Kommunikation benötigen. Vor allem, wenn beide es nicht anders aus der Kindheit kennen. 

BeziehungskriseIhr erkennt diese giftigen Kommunikationsmuster und seid beide bereit, an ihnen zu arbeiten.

Mehr zu einer respektvollen und gesunden Kommunikation findest du in meinem Kommunikationsguide. Hier geht’s zum Download: 

4) "ES TUT MIR LEID!"

beziehungskrise sorry

Toxische Beziehung: Ihr seid nicht in der Lage, euch zu entschuldigen. Wenn du das Gefühl hast, dass er nie zu seinen Fehlern steht, deute es als ein klares Warnsignal, Liebes! 

Beziehungskrise: Vielleicht fällt es euch nicht auf Anhieb leicht, aber ihr versteht, dass ihr beide Fehler macht. Gerade dann, wenn der Beziehungssegen schief hängt und ihr euch ungeliebt behandelt fühlt. Ihr seid auch in der Lage, eigene Fehler anzuerkennen, sich zu entschuldigen und einander zu verzeihen.

5) Manipulation & Kontrolle

toxische beziehung manipulation

Toxische Beziehung: Sie wird von Manipulation und Kontrolle genährt.

Darunter fallen absichtliches Täuschen, Verheimlichen als auch Manipulationstechniken wie Einreden, dass du das Problem bist bzw. Taktiken, die deine Wahrnehmung komplett in Frage stellen.

Aber auch subtile Formen der Kontrolle (bei denen ich mich leider selbst ertappen musste) sind ein Zeichen dysfunktionaler Beziehungsmuster:

„Wenn ich ihn lang genug umschmeichele, tut er schon, was ich will.“
"Ich helfe ihm so viel, dass er ganz schön doof wäre, wenn er mich verlässt.“ 

Beziehungskrise: Auch hier schleichen sich subtile Formen der Kontrolle ein. Allerdings verstehst du, wie destruktiv es für deine Beziehung ist und versuchst es zumindest, sie zu unterbinden.

Wenn du Schwierigkeiten damit hast, habe ich hier einen interessanten Beitrag, der dir helfen kann:

6) Dauer & Intensität der Vergiftung  

toxische Beziehung vs Beziehungskrise Dauer

Allein die Dauer und Intensität von ungesunden Verhaltensweisen sagt viel darüber aus, in welcher der beiden Situationen du dich befindest.  

Beziehungskrise: Bei euch kommen diese zerstörerischen Verhaltensweisen eher selten bzw. aufgrund besonderer Umstände vor und sind nicht von langer Dauer. Sobald ihr die Verhaltensweise als solche erkennt und euch klar wird, dass ihr euch in einer Beziehungskrise befindet, versucht ihr, euer Verhalten in eine andere Richtung zu lenken.

Toxische Beziehung: Toxisches Verhalten ist ein fester Bestandteil eurer Beziehung. Die Ausnahme wird also zur Regel. In diesem Fall gilt: Wenn ihr zusammen glücklich werden wollt, solltet ihr beide intensiv an diesen toxischen Beziehungsmustern arbeiten.

7)  Vertrauen

dysfunktionale beziehung beziehungskrise vertrauen

Toxische Beziehung: Hier gibt es wenig Vertrauen. Oft wird das Handy des Partners kontrolliert und der Social Media Account gestalked. Wenn der Partner ohne dich ausgeht, länger auf der Arbeit bleibt oder nicht gleich zurückruft, gerätst du schnell in Panik. 

Beziehungskrise: Du vertraust deinem Partner. Wenn allerdings über Wochen oder Monate Distanz und Kälte zwischen euch herrscht und er dann immer häufiger mit einer „guten“ Freundin Zeit verbringt, nisten sich erste Eifersuchtsgedanken in deinem Kopf ein. 

Ich verstehe dich sehr gut, Liebes.
Ich war in der gleichen Situation und möchte dir einen Tipp geben: 

Werde dir nochmal deines Selbstwerts bewusst und arbeite am nächsten Punkt.

8) Verantwortung für eigene Baustellen

toxische beziehung beziehungskrise Verantwortung

Toxische Beziehung: Ihr weigert euch, die Verantwortung für eure Fehler zu übernehmen. Ihr schiebt sie viel lieber von euch weg, indem ihr z.B. einander Vorwürfe macht. Häufig gibt es ein Opfer, das die Verantwortung von sich wegschiebt und einen Retter, der die Verantwortung des Partners auf sich nimmt.

Ein Beispiel aus meinem Liebesleben: 

Mein Partner kann es überhaupt nicht haben, wenn ich ihm nicht zuhöre, sondern ihn ständig unterbreche. Auch wenn wir heute mit Videos wie diesem darüber lachen können, hatten wir große Schwierigkeiten damit!  

Das erste Mal, dass es zwischen uns deswegen krachte, wurde ich sauer, dass er mich nicht so akzeptiert wie ich bin. Zugleich fing ich an, Macken bei ihm zu suchen. Das schreit nach toxischem Verhalten!

Mach mir bitte nicht nach!  

Beziehungskrise: Ihr seid meist (oder zumindest manchmal) in der Lage, eigene Baustellen zu erkennen und an ihnen zu arbeiten. Auch wenn ihr etwas Anlaufzeit benötigt.

9) Es gibt Fortschritt

toxische Beziehung Beziehungskrise Wachstum

Toxische Beziehung: Alles ist schlecht und bleibt schlecht. Ihr schafft es nicht, eure giftigen Verhaltensmuster zu überwinden und verharrt entweder in einer ungesunden Beziehung oder trennt euch, wenn ihr am Ende eurer Nerven angekommen seid.

Beziehungskrise: Auch wenn der Erfolg nicht einschlägt wie eine Bombe, sind kleine Verbesserungen erkennbar. Ihr schafft es Schritt-für-Schritt (auch wenn sie noch so klein sind), eure Beziehungskrise zu überwinden und kommt gestärkt aus ihr hervor.
 

10) Bereitschaft Loszulassen

giftige Beziehungen loslassen

Toxische Beziehung: Wenn du das Gefühl hast, dass du ohne deinen Partner nicht leben kannst oder möchtest, wird es toxisch. Die Beziehung wirkt dann wie eine Droge, die du zum Leben brauchst. 

Und dafür reicht bereits, wenn du jede Entscheidung abhängig von ihm bzw. dem Fortbestehen der Beziehung machst. 

So hätte ich z.B. beinahe einen Job am anderen Ende Deutschlands angenommen, nur weil es ggfs. die Chancen auf das Fortbestehen unserer Beziehung erhöht hätte. Wenn ich zurückdenke, war das ein klarer Akt der Verzweiflung. 

Beziehungskrise: Du verstehst, dass ein Partner vor allem ein Geschenk des Lebens ist. Und nicht Wasser, was du zum Leben brauchst. Auch wenn du ihn liebst und dir kein Leben ohne ihn vorstellen möchtest, wärst du bereit, im Notfall die Bremse zu ziehen.  Und zwar dann, wenn die Beziehung euch beiden über eine lange Zeit mehr wehtun als guttun würde.

Ich bin in einer toxischen beziehung was kann ich tun?

Du bist die Liste durchgegangen und musstest dich dabei ertappen, dass deine Beziehung eher zu der Kategorie „toxisch“ zählt? Oder du zumindest bei ein paar der Punkte in den „toxischen“ Topf fallen würdest? 

„Muss ich dringend aus der Beziehung raus?“, fragst du dich? 

Nachdem ich selbst dadurch gegangen bin, lautet meine Empfehlung: Es kommt drauf an... 

Ok, meine typische BWLer-Antwort ist unfair an der Stelle. Aber lass mich dir das erklären:

a) Nein, das musst du nicht. Wenn du und dein Partner einseht, welche Baustellen ihr habt und ihr auch bereit seid, an ihnen zu arbeiten, mein Rat: Go for it!

b) Ja, da in den meisten toxischen Beziehungen das Wenn aus Fall a) nicht zutrifft. Und bevor du in Panik gerätst, Liebes: Mit Trennung meine ich nicht auf Dauer. Sehe sie eher als eine „Auszeit“. 

Warum das so wichtig ist? Um Klarheit zu gewinnen! 

toxische beziehung erkennen

Deine chance

Egal, ob ihr euch nun eine Auszeit nehmt oder nicht: Wichtig ist, dass du dich mit deinen Baustellen befasst.

Fragen, die du dir unter anderem stellen kannst:

  • Was hat eure Beziehung in die Krise bzw. in die toxische Konstellation geführt? 
  • Wann hat es angefangen? 
  • Wie hast du dazu beigetragen? 

Solange du deine Baustellen nicht beseitigt hast, würde ich nicht eine endgültige Trennung von deinem Partner in Betracht ziehen. 

Denn bedenke: Du nimmst dich und deinen unverarbeiteten, emotionalen Ballast in jede neue Beziehung mit. 

Muss ich meinen Partner an Bord haben?  

Nein.
Oder zumindest nicht sofort. 

Du kannst auch ohne ihn starten, deine emotionalen Baustellen zu beseitigen. Wenn er dich liebt und mit dir sein möchte, wird die Änderung in dir nicht an ihm vorüberziehen. Das Licht in dir wird Hoffnung in ihm wecken. 

Wenn du allerdings deinen Job getan hast, aber keine Veränderung in der Beziehung spürst bzw. er nicht bereit ist, an seinen Baustellen anzupacken: Dann beherzige Punkt 10 und lerne loszulassen.

Eine glückliche Beziehungsbrücke muss von beiden Seiten gebaut werden! 

BITTE BEACHTE!

Bei allem, was ich schreibe, bedenke bitte, dass nur du allein die Komplexität deiner Situation nachvollziehen kannst. Sehe diese Liste daher als Orientierungshilfe an und prüfe bei jedem Punkt, ob und inwieweit er tatsächlich auf deine sehr individuelle Situation zutrifft.

The problem with advice is that the advisor seldom understands the full implications of the problem. [...] The advisor is unaware of the complexities, feelings and the many other factors that lie hidden beneath the surface.
(Robert Bolton)

Hier darfst du den Artikel teilen oder in deiner Pinnwand sichern. Ich würde mich sehr freuen.

2 Kommentare
Vorherigen Post
11. Februar 2020
Nächster Beitrag
11. Februar 2020

2 Kommentare

Kommentar hinterlassen